Die Kölner Linie der AIDS-Prävention

Die 'Kölner Linie' stellt auf der Basis der Präventionsstrategie der Bundesregierung ein Modell für Zusammenarbeit und Vernetzung verschiedener Träger/Institutionen im Bereich der Prävention dar. Sie favorisiert einen zielgruppenorientierten, lebensstilakzeptierenden, personalkommunikativen und niedrigschwelligen Ansatz in der Primärprävention gemäß der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation von 1986.

Mit seinem Beschluß über die 'Fortführung des Beratungs-, Betreuungs- und Präventionsangebotes zu AIDS in Köln - Bedarfsplanung für die nächsten Jahre' hatte der Kölner Rat nach dem Auslaufen der Bundesmodellprogramme am 28.11.1991 die 'Kölner Linie' bestätigt.

Die 'Kölner Linie' beruht auf der Einsicht, daß angesichts einer fehlenden Schutzimpfung gegen das Virus und wirklich wirksamer kausaler Behandlungsmöglichkeiten der im Bundesinfektionsschutzgesetz festgelegte gesetzliche Auftrag, die notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von AIDS zu ergreifen, nur durch Information und Aufklärung über die Risiken einer Ansteckung mit HIV und die Wege zu ihrer Verhütung befolgt werden kann. Information und Aufklärung verfolgen das Ziel, zeitstabile Verhaltensänderungen riskanten Verhaltens in den von AIDS betroffenen Gruppen zu erreichen.

Sie beinhaltet eine klare Absage an seuchenrechtliche Maßnahmen als Mittel der Prävention. Stattdessen setzt die 'Kölner Linie' auf das koordinierte Zusammenwirken aller politischen und gesellschaftlichen Gruppen, Selbsthilfe, Wissenschaft und Verwaltung bei der Information und Aufklärung.

Erfolgreiche Prävention bedarf eines professionellen Settings. Dieses beinhaltet die Akzeptanz von Lebensstilen, kulturellen Unterschieden, unterschiedlichen Lebenssituationen und sexuellen Orientierungen von Menschen sowie einen vorurteilsfreien Umgang mit HIV-Infizierten bzw. Menschen, die an AIDS erkrankt sind. Die Aufklärung vor Ort bedient sich hauptsächlich personalkommunikativer Maßnahmen.

Von Anfang an entschied man sich in Köln dazu, die Verantwortung für die AIDS-Prävention nicht in die Hände eines einzigen freien Trägers oder einer einzigen kommunalen Institution zu legen. Vielmehr machte man sich die Nähe einzelner Gruppen, freier Träger und kommunaler Institutionen zu ihren Zielgruppen zunutze. So entstand in den 80er Jahren ein Netzwerk unterschiedlicher Gruppen, freier Träger und Institutionen, das sich bis heute im Arbeitskreis AIDS/PSAG widerspiegelt. Die Differenziertheit und Vielfalt des AIDS-präventiven Angebotes in Köln ist ein Resultat und eine besondere Stärke der 'Kölner Linie', die über Köln hinaus bundesweit Wirkung gezeigt hat.

Für die 'Kölner Linie' ist die städtische Koordination und damit die Einsetzung eines Koordinators von besonderer Bedeutung. Dieser fördert und koordiniert die präventiven Aktivitäten der einzelnen Träger . Die Koordination der 'Kölner Linie' liegt bei der AIDS-Koordination des Gesundheitsamtes.